Liebe Freunde von der Staatssicherheit…
Respekt - Ihr seid ja von der ganz schnellen Truppe! Nicht nur, dass die Hitrate meines Blogs schlagartig nach der Erwähnung Eures Chefs in die Höhe gegangen ist (schön, dass Ihr mitlest!), Euer Chef reagiert sogar umgehend in seinem Stern-Interview darauf! Da sagt er: “Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche? Nach meiner Auffassung wäre das falsch.” Hört, hört. Nach dieser Logik ist es also wirklich kein Problem, dass z.B. in London ein Brasilianer in der Metro mit etlichen Kopfschüssen getötet wurde, um einen Anschlag zu verhindern, obwohl er nachweislich überhaupt keinen terroristischen Hintergrund hatte. Hätte ja sein können. Das haben die britischen Behörden im Prinzip gleich beurteilt; ernstzunehmende Konsequenzen hatte die Ermordung des Unschuldigen ja nicht. Auch “der Fall Kurnatz” (auch die wenig geistreichen Journalisten des Stern sprechen vom “Fall Murat Kurnatz” - man sollte mal zur Kenntnis nehmen, dass “Kurnatz” kein Fall ist, sondern ein Mensch, der jahrelang zu unrecht seiner Freiheit beraubt wurde und noch nicht mal eine Entschuldigung dafür bekommen hat!) ist somit in einem Aufwasch mit legitimiert, auch wenn Herr Schäuble versäumt, in seinem Interview den “fatalen Fehler”, von dem der Stern spricht, zu leugnen…
Liebe Freunde vom BND, MAD, BKA & Co. (Ihr habt doch nichts dagegen, wenn ich Euch mal kollektiv mit “Staatssicherheit” anspreche, oder? Obwohl der Begriff irgendwie negativ vorbelastet klingt - da war mal irgendwann was….), wenn Ihr mich also demnächst zu meinem Gratis-Urlaub auf Kuba abholt (es könnten ja sonst 10 echte Terroristen davonkommen…), verstehe ich jetzt wenigstens, warum das eigentlich in Ordnung geht. Und wenn dann die freundlichen Damen und Herren des amerikanischen Militärregims (bitte nicht missverstehen - ich meine nur den rechtsfreien Raum Guantanamo Bay - die USA ist zweifelsfrei vorbildlich als korrupte Präsidial-Monarchie organisiert, da kann auch die Grand Nation nicht mithalten) dann endlich das Geständnis aus mir herausgepresst haben, dass ich eigentlich Osama Bin-Laden bin (wohlgenährt, ohne Turban, aber mit gestutzem Bart), werdet Ihr auch diese Information, selbstverständlich mit leicht angewidertem Gesichtsausdruck ob der Quelle, aber trotzdem bereitwillig zur Kenntnis nehmen und auf deren Basis meine Rückkehr nach Deutschland auf Lebenszeit verweigern. Euer Chef hat ja ganz richtig festgehalten: “Ich lehne Folter, strikt ab. Ich nehme sie auch nicht augenzwinkernd hin. Aber wenn Nachrichtendienste von anderen Diensten Informationen bekommen, die uns womöglich helfen, eine sehr große Gefahr abzuwehren, werde ich diese Informationen nicht deshalb ungenutzt lassen, weil nicht ganz so zuverlässig wie bei uns garantiert ist, dass sie rechtsstaatlich einwandfrei erlangt wurden. Das wäre absurd. “. Ein Mann mit unumstößlichen Prinzipien! Oder ist das Komma nach dem “Folter” in seinem ersten Satz gar kein Tippfehler, sondern ein raffiniert sinnveränderndes Satzzeichen? Hätte ich doch bloß mal mein Germanistikstudium abgeschlossen, dann würde ich das sicher besser verstehen….
Und da ist aber die Schwachstelle: wenn ich während meines Kuba-Cluburlaubs (all inclusive) nicht in meiner eigenen Kotze ersticken sollte oder mich an meinem Bettlaken aufgehängt wiederfinde, dann komme ich ja vielleicht doch irgendwann frei und kann dann vielleicht sogar von einem Internet-Café aus weiter stänkern… Deshalb empfehle ich: Macht das Internet zum Deutschnet, kappt die Leitungen ins Ausland, das macht auch die Überwachung und Zensur der Inhalte sehr viel einfacher. Das hatten die Taliban so ähnlich auch schon mal gemacht, und die wussten, wie man für Sicherheit im eigenen Land sorgt!!
In diesem Sinne - bis bald und beste Grüße an den Chef!
PS Wenn Ihr mal den Kollegen Eures Chefs Eure Meinung sagen wollt (also den zig-hundert Bundestagsabgeordneten der CDU und SPD), dann solltet Ihr mal hier nachsehen - da könnt Ihr die direkt per eMail erreichen!